Wiener Dialekt :

< Meine Schatztruhe
 
da blemenschiz kali
de ganstla lili
da wöalinga fraunz
da beuchat doni
de aubök anemari
de haum si heid vuamidog
ole aum oaweidsaumd drofn
weu s vurige wochn
hoknschdaad wuan san
a inschdaladeagsö
a sochbeoaweitarin
a grafika
a dabbeziaraghüf
a könarin

griasd haum sa si
a bissl glochd haum s aa
no jo
zeidung glesn
schmä gfiad
und gwoat haum s hoed
vo ochde bis zwöfe
mid no a sibzg ochzg aundare
bis s draukumma san
daun san s zhausgaunga
und ana von eana
wiad si veleichd
no heid auf d nochd
gaunz schdü hamdran
 
 

Herbert Pirker: Im Wiadshaus, auf da Gossn und Dahaam,
Mundartgedichte aus Wien, Edition Atelier, Wien 1990
 
 


...und übersetzt in's Hochdeutsche heißt das:


 
der Blemenschitz Karli
die Ganstla Lilli
der Wörlinger Franz
der Bäuchert Toni
die Auböck Annemarie
die haben sich heute vormittag
alle am Arbeitsamt getroffen
weil sie vorige Woche
arbeitslos*) geworden sind
ein Installateurgeselle
eine Sachbearbeiterin
ein Grafiker
ein Tapezierergehilfe
eine Kellnerin
gegrüßt haben sie sich
ein bißchen gelacht haben sie auch
na ja
zeitung gelesen
Schmäh geführt*)
und gewartet haben sie halt
von acht bis zwölf
mit noch siebzig, achzig anderen
bis sie dran gekommen sind
dann sind sie nach Hause gegangen
und einer von ihnen
wird sich vielleicht
noch heute am Abend
ganz still umbringen
 
*)
die Hacke ist still ... keine Arbeit mehr
Schmäh führen ... speziell wienerische Art des Sprechens und Handelns, die niemals ganz ernst sein will und nichts auf direktem Weg anstrebt