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aus dem Gemeindebrief
der ev.-luth. Christus Kirchengemeinde Warstade vom Frühjahr 1999:
(zwischen Hamburg und Cuxhaven)
| Rollstühle
und noch viel mehr für Apedwa |
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Verladen
der Güter
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Wie
ich bereits im Gemeindebrief vom Herbst 1998 berichtet habe, waren
außer 4 Rollstühlen auch ein OP-Tisch, 3 Entbindungsbetten, 2 Toilettenstühle
und drei Paar Gehhilfen gespendet worden. Während der Zeit der Vorbereitung
für den Transport kamen noch einmal 2 Rollstühle von der Sozialstation
sowie 2 weitere vom Pflegeheim Pagel hinzu. Außerdem wurde mir von
mehreren Gemeindemitgliedern gebraucht Kleidung übergeben. Meine damals
im Gemeindebrief geäußerte Bitte um finanzielle Unterstützung zur
Begleichung der Transportkosten ist auch nicht ungehört verhallt.
Durch zahlreiche Einzelspenden und 2 Kollekten, die unsere Christuskirchengemeinde
dafür ansetzte, sind die Transportkosten in Höhe von DM 3.792,- zusammengekommen.
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Vida
Frema auf den Knien
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Allen
Spenderinnen und Spendern, die sowohl durch die Bereitstellung von
Gaben als auch der finanziellen Mittel diese Aktion ermöglicht haben,
sei heute von ganzem Herzen gedankt. Ich selbst habe durch die vielfach
erlebte Unterstützung empfunden, daß hier Gott ganz konkret erfahrbar
wurde.
Bevor
der Transport Anfang Januar 1999 jedoch starten konnte, musste die
Krankenhauseinrichtung vom Cuxhavener Krankenhaus abgeholt werden,
was dankenswerterweise von der Fa. Eggers aus Hemm übernommen wurde.
Vorher schon hatte ich große Fernsehkartons von den hiesigen Fachgeschäften
besorgt, alle Gegenstände aufgelistet, die dann gut verpackt werden
mussten.
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Vileda
mit ihrer Ware
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Jedes
Teil musste außer mit meiner Adresse in Ghana auch numeriert und
mit dem Namen der Schiffahrtslinie und des Schiffes gekennzeichnet
werden. Schließlich war unsere Doppelgarage, die zuletzt als Lager
diente, bis auf das letzte Stück Stellfläche belegt.
Die
Organisation des Transportes, der nicht, wie zunächst vorgesehen,
über Hamburg, sondern über Bremerhaven abgewickelt wurde, wurde
freundlicherweise von dem Schiffsmakler, Herrn Horst Tiedemann aus
Hemmoor, übernommen. Doch aufgrund der Umstellung mussten wir nun
am Silvesternachmittag 1998 hier alles selbst in einen Container
einladen, was ohne die Mithilfe von Herrn Spediteur Heinbockel mit
seinem Gabelstapler sowie von Frau Dierks nebst Kindern und Unterstützung
von Herrn Heinsohn aus unserer Nachbarschaft von uns allein nicht
zu bewältigen gewesen wäre. Auch Ihnen allen gilt mein herzlicher
Dank!
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Im
Vertrauen auf unsere diesjährige Jahreslosung, wo Jesus spricht:
"Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende", flog ich am 09.01.99
nach Accra ab. Ich hatte die innere Gewissheit, dass ER mir Türen
öffnen würde, die ich zur ordnungsgemäßen Durchführung meines Auftrages
durchschreiten musste. Und so war es letztlich auch.
Zunächst
bereitete ich die Ankunft und Verteilung der Güter dadurch vor,
dass ich mir im Hafen von Tema, etwa 35 Kilometer von Accra entfemt,
wo ich wohne, einen Agenten nahm, der mir helfen sollte, die Güter
auszulösen. Außerdem schaltete ich zu meiner Unterstützung einen
Mitarbeiter des Sekretariats der katholischen Kirche mit ein, der
große Erfahrung mit dem Auslösen von gespendeten Gütern aus dem
Hafen hat. Anschließend besuchte ich die einzelnen Institutionen
in Accra, Apedwa und Kibi, die die Hilfsgüter erhalten sollten und
benachrichtigte sie über die ihnen zugedachten Spenden, was natürlich
Überraschung und Freude auslöste.
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Kwame
Richmond, 9 Jahre, braucht neue, größere orthopäd.
Schuhe und Schienen
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Eigentlich
hätten die Ladungspapiere am 20.01. und das Schiff mit den Hilfsgütern
am 24.01.99 in Ghana ankommen sollen. Doch die Papiere waren eigenartigerweise
länger als jeder normale Brief unterwegs und erreichten mich erst
am 28.01.99. Auch das Schiff hatte Verspätung und traf erst am 30.01.
in Tema ein, weil - nach Angaben der Agentur - die Container in
Spanien auf ein anderes Schiff umgeladen worden waren. Ich übergab
die Ladungspapiere meinem Agenten, denn in Ghana ist es üblich,
dass man nur auf diesem Wege seine Sachen aus dem Hafen herausbekommen
kann.
Zunächst
musste ein Antrag auf Befreiung von der Zollzahlung gestellt werden.
Als der nach ca. 3 Wochen genehmigt worden war, sollten plötzlich
noch 10% Mehrwertsteuer gezahlt werden. Warum all dies auf gebrauchte
Güter, die zudem nicht für den Handel bestimmt waren? Die Schikanen
eskalierten immer mehr und es sah schon so aus, als könne ich die
Sachen gar nicht mehr bis zu meiner für den 09.03. vorgesehenen
bzw. gebuchten Rückreise bekommen.
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Kwasi
Amoako, 30 Jahre, Stuhlflechter, ohne Eltern und Geschwister
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Am
Mittwoch, den 24.02. waren schließlich alle Sachen aus dem Container
auf einen Lastwagen geladen worden. Als dieser das Hafengebiet verlassen
wollte, stellte ein kleiner Zollbeamter fest, dass die Containernummer
auf dem Schreiben für die Steuerbeschreibung fehlte. Er bestand
darauf, dass alles wieder abgeladen werden musste und das Zollgebiet
nicht verlassen durfte. Da das katholische Sekretariat einen neuen
Antrag auf Vervollständigung der Mehrwertsteur-Erlaßpapiere stellen
wollte, die Zeit aber gegen mich war, ließ ich mir am 25.02. alle
Unterlagen aushändigen und suchte damit einen sehr bekannten und
einflussreichen Rechtsanwalt auf, der gleichzeitig Oppositionsabgeordneter
für meinen Wohnbezirk ist. Er fertigte mir umgehend ein Schreiben
für die Zollbehörde aus, das ich am Freitag 26.02. dem Leiter der
Zollabteilung übergab, der daraufhin sofort die Auslieferung der
Güter verfügte.
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Kwasi
Amoako mit Rollstuhl
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Da
an diesem Freitag kein Transportmittel mehr zu mieten war, sind
die Güter endlich am Montag, den 01.03. aus dem Hafengebiet herausgekommen.
Noch am gleichen Tage fuhr ich nach Apedwa und Kibi, etwa 150 Kilometer,
weil die Telefone nicht funktionierten und benachrichtigte die Krankenhäuser,
dass sie die ihnen zugedachten Hilfsgüter aus Accra abholen könnten.
Am
05.03. hatten sie den Transport soweit geregelt, dass die Sachen
abgeholt werden konnten. Ich begleitete den Transport und lieferte
in Apedwa 1 Entbindungsbett, 7 Rollstühle, 1 Toilettenstuhl
und 2 Gehhilfen aus. Dann ging es weiter nach Kibi ins Regionalkrankenhaus,
wohin der Operationstisch, 1 Entbindungsbett, 1 Toilettenstuhl
und 2 Paar Krücken kamen. Das 3. Entbindungsbett gab ich
in Accra in meiner Nachbarschaft beim Manna Mission Hospital ab,
wo inzwischen bereits ein Baby darauf entbunden worden ist. Entsprechende
Dankschreiben dieser Institutionen sind an Herrn Erdmann gerichtet
worden.
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Übergabe
des für Apedwa bestimmten Anteils
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Da
sich meine Aufenthaltszeit dem Ende zuneigte, habe ich die Bekleidung
zweien meiner Schwestern zur Verteilung in Apedwa übergeben, zumal
sie die bedürftigen Menschen dort besser kennen als ich. Für Samstag,
den 06.03.99 habe ich alle Behinderten, die in Apedwa einen Rollstuhl
von mir bekommen hatten, zu einer Feier in das einzige dort vorhandene
Hotel eingeladen.
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| Es
erschienen 12 Rollstuhlfahrer mit ihren Verwandten. Es war äußerst
bewegend zu erleben, wie diese Menschen, die zum Teil noch nie ihr
Haus hatten verlassen können, jetzt ihre Freiheit erlebten und genossen,
den eigenen Wohnort und dessen Umgebung entdecken konnten und die
Gelegenheit hatten, miteinander in Verbindung zu treten. Sie waren
unvorstellbar dankbar und glücklich und schickten inbrünstige Gebete
zum Himmel für die Menschen, die ihnen die Wende ihres Schicksals
ermöglicht hatten. |
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Wie
hätte ich mir gewünscht, dass Sie alle die unaussprechliche Freude
dieser Menschen hätten miterleben können! Die eigene Umwelt aus
einer anderen Perspektive als am Boden sitzend erleben zu können,
gab den Behinderten ein neues Lebensgefühl des Dazugehörens und
ließ ihre Augen strahlen.
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Feier der
Rollstuhlfahrer von Apedwa.
Frau Vida
Frema, die den ersten Rollstuhl bekommen hatte, transportiert inzwischen
Rollstuhl fahrenderweise Güter auf ihrem Kopf und treibt so Handel. Damit
ist sie selbständig. Einer der behinderten Jungen, der das Herstellen
von Flechtwerk für Stühle gelernt hat, könnte auch selbständig werden.
wenn er DM 300,- als Startkapital zur Materialbeschaffung bekommen könnte.
Eine behinderte
Frau, die Schneiderin gelernt hat, könnte sich ebenfalls selbst ernähren,
wenn sie eine Nähmaschine bekäme. Und last but but not least können zwei
Kinder mittels der Rollstühle jetzt erstmals die Schule besuchen. Die
Behinderten in Apedwa sind nur zum Teil durch Kinderlähmung geschädigt,
hingegen überwiegend durch falsch gespritzte Medikamente.
Weitere
Hilfe bleibt willkommen:
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"Behinderten-Hilfe
APEDWA"
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Kreissparkasse
HEMMOOR
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Konto
372 146 236, BLZ 292 50150
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Wenn die
Abwicklung dieser Hilfsaktion für mich auch mit viel Aufwand und Stress
verbunden und ich zunächst sehr traurig darüber war, wie viel Schwierigkeiten
mir meine Landsleute im Hafen gemacht haben, bin ich letztlich doch glücklich,
dass durch Ihre Spenden, Ihre Hilfe, so vielen Menschen in meinem Lande
geholfen werden konnte. Ich danke Ihnen allen und grüße Sie mit dem Credo,
das mir ein befreundeter österreichischer Bischof, Erwin Kräutler, aus
Brasilien als Weihnachtsgruß sandte:
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Ich
glaube an die Macht der Liebe, die Grenzen überschreitet,
die
persönlichen Beziehungen vom Ich zum Du,
vom Ich zum Wir der Weltgemeinschaft gelingen lässt.
Ich glaube an die Macht der Liebe, die Tränen trocknet und Wunden
heilt,
die Elend und Not mit dem Mantel der geschwisterlichen Anteilnahme
umfängt.
Ich
glaube an die Macht der Liebe, die den Schrei der Armen hört
und ihnen in Solidarität die Hände reicht.
Ich
glaube an die Macht der Liebe, die Zäune abbricht,
Mauern niederreißt und Brücken baut.
Ich
glaube an die Macht der Liebe, die Herzen bewegt
und Distanzen zwischen den Menschen überwindet.
Ich
glaube an die Macht der Liebe, die Leben spendet
und unseren Weg ins neue Jahrtausend hell werden lässt.
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