Austria pro Moldavia-Austria pentru Moldova
Hilfsgruppe Roman-Chisinau-Grup de ajutor pentru Roman-Chisinau
Dr. med. Helmut
Euler-Rolle / e-mail: helmut.euler-rolle@utanet.at
A-1180 Wien, Geyergasse
2A, Tel: 01-4931306 / FAX: 01-49313064
Offizieller Hilfsverein:
780/VVM9
1.
Fahrt nach Rumänien im April 1988
"Ihr wisst
ja gar nicht wie gut ihr lebts!
ein Bericht über Rumänien."
|
Täglich lesen wir Horrormeldungen in den Zeitungen, und wir denken uns: nein wie schrecklich, da müsste man doch helfen, und Stunden später hat uns der Alltag wieder mit unseren persönlichen Aufgaben und Sorgen. So ist es auch mir ergangen, als ich im November 1987 einen Exklusiv-Bericht über Rumänien in einer Tageszeitung gelesen hatte. Da war von Kälte, Hunger und brutalem Terror zu lesen, von drastischer Beschränkung von Lebensmitteln, von katastrophalen Ernten und neuerlichen Kürzungen bei der Energiezuteilung. Ein
paar Wochen später hatte ich zufällig in einer Illustrierten
einen ähnlichen Artikel mit der Überschrift: Kälte, Not
und Tod gelesen: Der Partei gehe es gut, viele Deutsche in Rumänien
müssten hungern, hungrige Bürger stürmten das Rathaus von
Kronstadt, Terror und Korruption seien an der Tagesordnung. Schon
die ersten Kommentare der Bekannten waren wieder sehr ermutigend. "Die
Idee ist hirnverbrannt", "Warum fahrens in so a verrücktes
Land?" "Wie kommens denn hin überhaupt?" "Polen
könnt ich mir noch einreden lassen, aber Rumänien?" "Gute
Erholung und ein schönes Wetter, das ist das Wichtigste!" Nicht
gerade ermutigend waren auch die Berichte von der Zollabfertigung an der
rumänischen Grenze. Entweder würde man zurückgeschickt,
weil es in diesem Land an nichts mangle, oder es würden einem die
Lebensmittel zu einem Teil abgenommen werden, oder man müsste alle
Waren verzollen, zum Teil mit 100% wie z.B. Kaffee. Eine Leibesvisitation
gäbe es. Obst würde oft von den Beamten angestochen werden,
das Auto fast vollständig zerlegt, mit 3-6 Stunden Grenzaufenthalt
müsse man rechnen. Erstens
kommt es anders, und zweitens als man denkt. Die so gefürchtete und
verschriene Zollabfertigung an der rumänischen Grenze entpuppte sich
als völlig harmlos, die Beamten waren sehr nett und freundlich, und
nach 20 Minuten Aufenthalt fuhren wir vorbei an den schwerbewaffneten
Grenzsoldaten in eines der ärmsten Länder der Welt. Schon die
ersten Dörfer zeigten es: schmutzige graubraune Häuser, holprige,
löchrige Straßen, ganze Häuserzeilen ohne Licht, ärmlich
gekleidete Menschen auf den Straßen. Nach zwölf Stunden Fahrt
waren wir schon ein bisschen müde endlich an unserem Ziel angekommen:
Temesvar oder wie es jetzt heißen muss, weil es keine deutschen
Namen mehr geben darf, Timisoara. Wie immer in den Ostblockstaaten wohnen die Ausländer in den modernen, teuren Hotels, wo es in den shops gegen harte Dollarwährung oder im Restaurant all diejenigen Herrlichkeiten zu kaufen gibt, von denen der kleine Mann aus dem Volk nur träumen kann. Und wir gingen zum Volk hinaus zu den Familien, in die überquellend kleinen Einfamilienhäuser oder die ärmlichen Wohnungen der Wohnblockhäuser. Überall wurden wir mit großer Herzlichkeit und Gastfreundschaft aufgenommen, fast überall wollte man uns etwas zur Begrüßung anbieten, aber was soll man anbieten, wenn man selbst fast nichts zu essen hat? Unter Bitterkeit, Zorn, Traurigkeit, unter Resignation und unter Tränen erfuhren wir vom Leben in einem eigentlich reichen aber durch Misswirtschaft einem der ärmsten Länder der Welt: "Eine Menschenschinderei ist das", erzählt uns eine 75-jährige betagte Frau. Am ärmsten sind die Rentnerinnen, die in ihrer Jugend zu Hause bei den Kindern geblieben sind und die ehemals Selbständigen, beide bekommen keine Pension, weil keine Beiträge gezahlt worden sind. Kein Geld, keine Nahrungsmittel, kein Heizmaterial, so erfrieren viele im Winter und ebenso viele verhungern ...in eiskalten Wohnungen verhungern alte, gebrechliche Leute. Auf Lebensmittelmarken sollte man pro Monat 10 dkg Butter, ½ l Öl, 1 kg Zucker und ½ kg Mehl bekommen. Oft bleiben ab er die Marken ungenützt, weil es weder Butter noch Mehl gibt, Käse gibt es nie, oft nur altes Brot, Südfrüchte kennt man nur vom Hörensagen, Eier gibt es ganz selten, vor Ostern hat es zum Beispiel in der ganzen Stadt keine Eier gegeben, Fleisch gibt es zweimal jährlich - wenn man Glück hat und nach stundelangem Warten in der Schlange noch etwas bekommen hat: manchmal stellt man sich um 5 Uhr früh um eine Milch an, und dann gibt es keine mehr...beim Anstellen von Brot wurde in der Drängerei ein Kind tödlich niedergetrampelt...Eine junge Frau erzählte uns "ich war so froh, zu Weihnachten endlich einmal ein Butterbrot essen zu können, und dann war die Butter so schlecht, dass ich es wegwerfen musste". "Was essen Sie heute zu Mittag?" fragten wir. "Einen Schmarrn gibt es, aus Mehl und altem Brot" ...einem kleinen Buben hatten wir eine Schokolade mit Nüssen gegeben, wenig später hatte er alles erbrochen, ungewohnt und daher nicht vertragen. Wie in der Nachkriegszeit in Österreich bekommt man in Rumänien fast alles am Schwarzmarkt z.B. 1 Ei um 7-10 öS, 1 kg Kartoffeln um 20 öS, 1 kg Mehl 30 öS oder den überaus beliebten Bohnenkaffee, den man zum Schmieren am Arbeitsplatz, in der Schule und beim Arztbesuch so gut gebrauchen kann, den bekommt man ausschließlich auf dem Schwarzmarkt um stolze 1200 Lei = 1600 öS! Bei einem Monatsgehalt eines Arbeiters von 2400 Lei. 700
km westlich von Wien - die hell erleuchtete Bahnhofstrasse von Zürich
in einem der reichsten Länder der Welt - Auch
für die Holzzuteilung gibt es im Winter Marken, aber das Heizmaterial
reicht nur für 2-3 Wochen und Holzsammeln im Wald ist streng verboten.
Gott sei Dank haben manche Rumänen noch nicht den Humor verloren:
Sagt der eine "Hu, bei mir ist es kalt, ich habe nur 12 Grad im Zimmer!",
sagt der andere: "Ich habe es viel wärmer, ich habe 24 Grad!"
"Ja, wie das?" sagt der andere wieder "Na, ich habe zwei
Zimmer, dort 12 Grad und da 12 Grad!" Eine
75 jährige Blinde: "Ich wisst ja gar nicht, wie ihr lebts!"
und "Gott, wie ich mich freue, dass sie gekommen sind...was bin ich
schuldig für das Paket?" Österreich,
das Land mit den vielen kirchlichen und gesetzlichen Feiertagen. Rumänien
hat pro Jahr ganze zwei Feiertage, den 1. Mai und den Staatsfeiertag,
den 23. August, kein Weihnachtsfeiertag, kein freier Tag zu Ostern, es
wird gearbeitet von Montag bis Samstag, und nur ein Samstag pro Monat
ist frei. Manche wollen aus dem Ausland Lebensmittelpakete senden, aber sie kommen in den seltensten Fällen an, sie werden gestohlen, sie werden nicht gefunden, sie werden nicht herausgegeben und wenn sie wirklich gefunden werden, müssen die armen Menschen auch noch fest Zoll für das Paket zahlen. In
den zwei Tagen Rumänienaufenthalt haben wir 10 Familien mit ihren
Angehörigen und ihren Kindern besucht und viele meinten, sie hätten
immer die Hoffnung, dass es besser würde, aber es werde immer schlechter...
|