Austria pro Moldavia-Austria pentru Moldova
Hilfsgruppe Roman-Chisinau-Grup de ajutor pentru Roman-Chisinau
Dr. med. Helmut
Euler-Rolle / e-mail: helmut.euler-rolle@utanet.at
A-1180 Wien, Geyergasse
2A, Tel: 01-4931306 / FAX: 01-49313064
Offizieller Hilfsverein:
780/VVM9
Bericht
über die 31. Hilfsfahrt nach Osteuropa:
vom
28. 4. bis 5. 5. 2001 nach Rumänien und in die Republik Moldova
"Was nach Rumänien fahrn's? Na so a Blödsinn!"
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Andere Patienten meinten in Anbetracht des bevorstehenden Urlaubes: "Viel Sonnenschein!" "Warum gehn´s denn net zwei Wochen auf Urlaub?" oder "Schaun's vorher schon so schlecht aus, wie wird das nachher erst sein?" und "Viel Spaß!" Der Spaß sah nun folgendermaßen aus: Drei Monate Vorbereitung für die Fahrt von 5 Männern mit drei Klein-LKWs in zwei kommunistisch regierte Länder. Unzählige Formulare, Ansuchen, Bewilligungen von den Ministerien, den Zollämtern und den Regierungen. Es wurde gesammelt, geordnet, geschlichtet und beschriftet: Lampen, Uhren, Bürsten, Steifftiere, Telephonapparate, Einlaufgeräte, Spritzen, Nadeln, Medikamente, Uhren, Radioapparate, Reindln, Mixer, Blutdruckapparate, Süßigkeiten, Hörapparate, Decken, Gehhilfen, Krücken, Kulis, Blöcke, Schulhefte, Zimmer-WCs, Stützstrümpfe, Windeln, Brillen, Verbandstoffe, Spiele, Nahrungsmittel, Kleider, Nähmaschinen, Wolle, Strickzeug, Stoffe, Kleider und Kassettenrekorder.
Fünf verschiedene Währungen: Schillinge, Forint, Lei, DM und Dollar mussten
besorgt werden, die Aktion "Kassettenrekorder für Altersheime in Rumänien"
lief in der Ordination an, im Advent 2000 hielt ich 3 Diavorträge in der
Pfarre Weinhaus, im März dieses Jahres 2 im Carolusheim, 1180 Wien, Frau
E. A. hatte auf ihre Weihnachtsgeschenke verzichtet und mir den Gegenbetrag
von 1.500 S Mein Freund Franz Rath war mehrmals "reif für die Insel", weil sich nicht mehr mess- und wiegbare Berge von Waren aller Art auf seinem Grundstück in Sievering türmten. Im "UNO-Jahr der Freiwilligkeit" standen wir am 28. April des heurigen Jahres freiwillig um 2 Uhr früh auf, drängelten uns an der ungar. Grenze um 3 Uhr morgens vor ca. 300 LKWs - fast hätte man uns dafür erschlagen - und begannen wiederum freiwillig den Spießrutenlauf der einzelnen Grenz- und Zollstationen. Seit 1. Jänner heurigen Jahres erteilen die Ungarn keine Durchfahrtsgenehmigungen für Hilfstransporte mehr. So mussten wir uns mit 123 Formularen bewaffnet vom Zoll zum Passamt, zur Spedition, zur "Zollkontrolle an der Rampe", zum Tierarzt und zum ungar. Zoll durchmanövrieren. Damit wir schließlich nicht in Budapest einen Flohmarkt mit Zimmer WCs und Harnkatheter aufmachen würden, mussten wir eine Kaution von 10.000 S zahlen. Dieser nette Aufenthalt bei unserem künftigen EU-Nachbarn an der ungarischen Grenze kostete uns lächerliche 5 ¼ Stunden Zeit. Nun, die nächste Grenze würde sicher besser, frohen Mutes ging es flott über die ungarische Autobahn, die Sonne lachte vom Himmel, immer wieder gab es blühende Obstbäume zu sehen, tiefgelbe Rapsfelder und herrlich dunkelblau blühende Fliedersträuche. Bei der Ausreise von Ungarn war ein Riesenstau, weil alle Spuren zum "Seuchenteppich" führten, 5 DM pro Fahrzeug war zu berappen, damit man nur ja keine Maul- und Klauenseucheerreger auf den Gummiradeln in das sterile Rumänien einschleppen würde. Der Mensch wird bescheiden und freute sich, dass die Ausreise von Ungarn in lächerlichen 4 Stunden vor sich ging, da könnte es wirklich nur mehr besser werden. Um ½ 3 Uhr früh kam der Kontrolleur vom Landwirtschaftsministerium: "Wo ist der Reis, wo die Biskotten? Welches Ablaufdatum hat die Margarine? Wo ist die Rechnung?" und vom Gesund-heitsministerium: "Wo sind die Medikamente? Öffnen sie den Karton!" "Wie sind die Ablaufdaten?" "Wo sind die Medikamentenlisten?" Diesmal warteten wir die ganze Nacht vor der rumäni-schen Spedition auf die Zollpapiere und mussten dafür 2.722 S zahlen. Nach insgesamt 17 Stunden des Wartens an dieser Grenze rollten wir um 6 Uhr früh endlich Richtung Grenzstadt Oradea. Die Sonne ging gerade auf, ein Radfahrer strampelte auf seinem klapprigen Fahrrad die Landstraße ent-lang, an einem Schnürl sein auch etwas müder, struppiger Hund. Die Sonne spiegelte sich in Pfüt-zen und Lachen, die Straße war von knorrigen, alten Alleebäumen gesäumt und wir fünf Unausge-schlafenen träumten von einem grenzfreien Tag......... Marghita, unsere 1. Station in Rumänien, seit Jahren helfen wir hier das soziale Zentrum aufzubau-en. Derzeit werden täglich 36 Personen mit Heimhilfen betreut, die soziale Gratisküche steht 70 überwiegend alten Menschen zur Verfügung, nachmittags können Alte und Einsame in diesem Haus fernsehen, lesen und mit Gleichgesinnten plaudern. Das Leben hier in dieser Stadt und im übrigen Rumänien ist nicht leichter geworden. Die wirtschaftliche Krise hält an, ein Aufschwung ist derzeit nicht in Sicht. Das Institut of International Finance - IFF - sagt voraus, dass das BIP heuer um 0.8% schrumpft und 2002 soll die Wirtschaft um weitere 1.0% zurückgehen. Der Grund dafür sind sehr bescheidene Fortschritte bei der Strukturreform. Die Arbeitslosenrate ist derzeit 10.4%, die Inflation war 41% im Jahr 2000, für 2001 wird sie auf 36.7% geschätzt. In fast 12-stündiger Fahrt durchquerten wir am 2. Reisetag dieses dreimal so große Land wie Öster-reich. Es war Kaiserwetter, die Sonne lachte vom Himmel herunter, stolze Storchenpaare thronten hoch oben auf den Lichtmasten, blühende Bäume säumten den Straßenrand, behäbige Wasserbüffel trotteten einher und immer wieder riesige Felder von gelb blühendem Löwenzahn und Himmel-schlüsseln. Roman, bei den Steyler Missionsschwestern, endlich war sie da, unsere 2. Station. Nach einer leiblichen Stärkung und 46 Stunden Wachseins fielen wir in den verdienten Schlaf. Einen Tausender ließ ich am nächsten Tag wieder bei der Zollbehörde für die Zollgrenzpapiere und für Trinkgelder. "Das ist so schön, dass sie immer wieder kommen", meinten die Patienten im Spital für chronisch Kranke, als sie uns in der Türe sahen. Wie immer brachten wir die so beliebten Manner-Süßigkeiten mit und begrüßten jeden einzelnen Patienten persönlich. Die so sehr gewünschten Kassettenrekor-der, die Wolle, das Strickzeug, das Garn, alles hatten wir mitgebracht, um den tristen Alltag ein wenig zu erleichtern. Am
Stadtrand wohnt ein junger Mann, der bei der Holzarbeit von einem Baum
getroffen wurde und seither querschnittsgelähmt ist. Die ihn pflegende
Ehefrau Horlesti, das Dorf, wo jede Strasse aufhört, wo es in den Lehmhäusern keinen Strom, kein WC und kein Fließwasser gibt. Hier besuchen wir seit Jahren arme, kinderreiche Familien in ihren Häusern, bringen ihnen Essenspakete und versuchen sie existentiell mit Ausbildung oder Arbeit zu unterstützen. In einem kleinen Haus meistert eine Mutter mit 12 Kindern ihr Leben, der Vater ist schon vor Jahren gestorben, bei einer früheren Fahrt hatten wir dieser Frau zur Unterstützung eine Kuh gekauft, jetzt sahen wir zu unserer großen Freude ein süßes Kalb im Garten stehen. Eine Frau stand mit ihren zwei kleinen Kindern vor ihrem ärmlichen Haus, der Mann hatte sie verlassen und fast das ganze Hausinventar mitgenommen. Sie lebt jetzt vom wenigen Geld der Tagelöhnerin und der spärlichen Kinderbeihilfe. Eine Nähmaschine hätte sie so gerne. Unser neues Engagement in diesem Dorf ist, jungen Leuten eine abgeschlossene Ausbildung zu ermöglichen, um sie aus dem Sumpf der Trostlosigkeit dieses Ortes herauszuholen. So haben wir für Monica und Georgeta - beide 17 Jahre alt und bildhübsche Mädchen - zunächst einmal für 1 Jahr die Schneidereiausbildung (Unterricht, Wohnung und Verpflegung) in der nahen Großstadt Jasi bezahlt. Das war inkl. Taschengeld je 9.375 S. Zusätzlich erhalten 2 Burschen eine Mechanikerausbildung inkl. Führerschein, welche im ersten Jahr je 8.823 S ausmacht. Petronella - 15 Jahre - würde gerne Köchin werden, Margica - 18 Jahre - Kindergärtnerin, die Eltern können sich solche Ausbildungen ihrer Kinder nicht leisten. Wünsche gäbe es viele - dort "am Ende der Welt"....... Am
nächsten Tag begann um 7.15 Uhr die 9. Hilfsfahrt
in die Republik Moldova. Das Durch-schnittseinkommen liegt
in diesem Land bei 378 S, die Schattenwirtschaft beläuft sich auf rund
60% des BIP. Die Inflationsrate betrug 43.7% im vergangenen Jahr, die
Arbeitslosenrate ca. 30%. Obwohl die offizielle Sprache rumänisch (laut
Verfassung "moldauisch") ist, findet man in der Eine Grenze voll von Abenteuern: LKW-Spur, Kontrolle beim Grenztierarzt wegen der mitgebrach-ten Lebensmittel, Bluthunde kläffen in ihren Käfigen - wehe, wenn sie los gelassen - "Habens Dro-gen oder Waffen mitgebracht?" Durchfahrt durch den Seuchenteppich, um ein "steriles" Auto in die Moldova zu bringen, Kontrolle von Polizei und Zollbeamten. Nach Überqueren des Grenzflusses Prut dieselbe Prozedur auf der moldavischen Seite, 7 verschiedene Kontrollpunkte mussten absolviert werden, endlich hob sich der schwere Grenzbalken, wir durften 500m fahren, dort wurden wir wieder von der Polizei angehalten und kontrolliert. Bis zur Hauptstadt Chisinau gab es noch weitere 3 Polizeikontrollen, ein kommunistisch regiertes Land.... "Salvati Batrinii, Asociatia Umanitara" auf deutsch "Humanitäre Hilfsorganisation: Rettet die alten Leute", hatte sich an die moldavische Botschaft in Wien gewandt, um Hilfe gebeten und unsere Adresse erhalten. Diese inländische Hilfsgruppe hatte in den 12 Jahren ihres Bestehens noch nie Hilfe aus dem Ausland erhalten. So freuten wir uns, dieser Organisation 58 Kartons Kinder- und Erwachsenenkleider zur Verteilung an alte Leute am Land, 6 Säcke Spielsachen, 17 Paar Krücken und 100 US Dollar bringen zu dürfen. Am nächsten Tag besuchten wir zum wiederholten Mal das Kostag All State Childrens Hospital. Direktor Dr. Grosu erzählte uns, dass die Moldova das ärmste Land Europas sei, es gebe 7% sehr Reiche und 93% sehr arme Menschen, das Existenzminimum läge bei 1000 mold. Lei = ca. 860 S, ein Arzt verdiene 300 mold. Lei = ca. 351 S pro Monat. 40% der Menschen gingen nicht zum Arzt, weil sie sich ihn nicht leisten könnten, ein Spitalsbett sei nur für Kinder bis 5 Jahren gratis, 90% der Patienten könnten sich eine Operation nicht leisten, wolle eine Mutter unbedingt mit ihrem Kind im Spital bleiben, müsse sie im gleichen Bett wie das Kind schlafen. "Herr Dr. Grossu, was würden sie für ihr Spital am dringendsten brauchen?" fragte ich ihn. "Am liebsten hätten wir Bettwäsche, Leintücher, Nachtkästchen - sie sind 30 Jahre alt - Windeln und Arbeitskleider". Das von den Insassen des Carolusheimes in 1180 Wien gespendete Geld von um-gerechneten 2.200 US $ (35.520 S) wurden diesem Kinderspital übergeben, und es wurden laut Dankschreiben 400 Leintücher, 200 Decken und 1000 Säuglingswindeln um dieses Geld ange-schafft. Die Spenden von der Pfarre Weinhaus 1.650 US $ (23.000 S) wurden für den Ankauf + Montage von 20 Gaszählern für arme Leute verwendet, die sich diese vorgeschriebene Investition nicht leisten konnten. Unserem Freund Klaus Kniffki, der in der Missionsstation Stauceni ein cari-tatives Zentrum leitet, wurden 2.478 US $ für den Ankauf von Fleisch und Brot für seine Suppen-küche übergeben, wo täglich 120 überwiegend Kinder mit einer warmen Mahlzeit versorgt werden. Danke allen lieben, hilfsbereiten Menschen, die uns diese Fahrt ermöglicht haben. Danke nochmals sehr herzlich den Direktoren der Firmen Renault Österreich, Ford Österreich und Citroën Österreich für die gratis überlassenen, wunderbaren Fahrzeuge. Danke meinen Mithelfern und Mitfahrern Franz Rath, Herbert Tuider, Hannes Bichler und Markus Mohr, einmal mehr eine Traumpartie. Danke unseren lieben Schwestern und unserem Klaus - alle Misionarii verbitii - für Unterkunft, Verpflegung und liebevolle Fürsorge. Herzlichen Dank meiner Ordinationsassistentin Doris, die mir unzählige Telephonate und Schreibarbeiten abgenommen hat. Wie schon seit Jahren Danke der Familie F. in Ottakring, die diesen Brief mit meinen Fotos versieht, druckt, einkuvertiert und versendet. Danke
Herrn Weidinger, Fr. Loos, Fr. Switlik, Hr. Schleifer, Fr. Höltl, Fam.
Koblasa, Frau Euler Pauline, Frau Veder, Fam. Jünger, Fr. Pfeiffer R.,
Hr. Barejska, Fr. Mag Baumgartner Fa. Hexal, Fr Weiss Th., Fr. Hemersam,
Hr. Ulbrich, Fr. Sendera, Fr. Urban, Fa. Manner, Fr. Zaloudek, Fam. Eigner,
Fr. Poppauer, Fr. Zojer Fa. Pfizer, Fam. Dr. Braun u Fr. Riesenhuber Pfarre
Weinhaus, Fr. Plisch, Fr. Pimmer, Fr. Klampferer, Fr. Wuscher, Fr. Fuchs,
Fr. Etzenberger, Fr. Lackenbauer, Fr. Nejhovsky, Fr. Aichinger, Hr. Skok, Nach 3.400 km Fahrt war diese Fahrt mit einem Gesamtaufwand von 36.048 S, (für Medikamente wurden 8.169 S, für Zoll u. Visagebühren inkl. Schmiergelder wurden 14.834 S ausgegeben) und einer Rekordwartezeit an Zollämtern und Grenzen von 37 Stunden und 20 Minuten, am 8. Reisetag zu Ende gegangen. Die
Kontonummer unseres Hilfsvereines "Austria pro Moldavia" ist Sie können Ihre künftigen Spenden ab sofort auch speziellen Zwecken widmen:
Wien, im Juni 2001 Dr. Helmut Euler-Rolle Kurze Chronik: 1987: Nach 2 Hilfsfahrten nach Polen und Berichten über die katastrophale Lage in Rumänien Entschluss, in das Land Ceausescus zu fahren. 1988: Frühjahr: 1. Hilfstransport mit dem eigenen Kombi nach Timisoara. Weitere Fahrten nach Arad, Simleu Silvanei, Satu Mare, Oradea, Cluj, Brasov usw. 1991: Organisation und eigenständiger Transport einer schwerkranken rumän. Offizierin der rum. Armee in das orthop. Spital in Speising. Im Juli Organisation und Unterbringung von 30. rumän. Kindern für 8 Ferienwochen bei Familien in Wien und NÖ. 1991: Kauf eines Privathauses in Marghita zum Zweck der ursprünglichen Errichtung eines Al-tersheimes, letztendlich wurde ein caritatives Zentrum daraus. Ausstattung der Apotheke in Roman mit Mobiliar. 1992: 1. Fahrt in die Universitätsstadt Jasi; Kauf und Lieferung einer Großzentrifuge und einer 150kg schweren Wäschetrockners in ein Kinderheim. 1993: Ausstattung einer Schneiderei in Brasov mit Zuschneidemaschinen. Komplette Ausstattung und Errichtung eines Kinderspielplatzes in Roman. 1994: Gründung eines eigenen Hilfsvereines: "Austria pro Moldavia". 1995:
Kauf eines Traktors, einer Sämaschine, eines Pfluges, einer Egge für das
sehr arme Dorf Horlesti. 1996: Betreuung von Behindertenheimen in Roman. Kauf eines Missionsautos. 1997: Kauf eines Anhängers für den Traktor, 1. Fahrt in die Rep. Moldova, Ausstattung einer Am-bulanz in Stauceni mit EkG, physik. Apparaten, Rollstühlen. Lieferung von gekühlten Me-dikamenten für einen Leukämiekranken. Eröffnung des Kindergartens in "unserem" Haus in Marghita. 1999: Kauf einer Holzheizungsanlage für ein Pfarramt am Lande. 2000: Kauf eines Autos für "Essen auf Rädern" für Marghita, Kauf eines Warmwasserboilers für das Altersheim in Roman.
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