Austria pro Moldavia-Austria pentru Moldova
Hilfsgruppe Roman-Chisinau-Grup de ajutor pentru Roman-Chisinau
Dr. med. Helmut
Euler-Rolle / e-mail: helmut.euler-rolle@utanet.at
A-1180 Wien, Geyergasse
2A, Tel: 01-4931306 / FAX: 01-49313064
Offizieller Hilfsverein:
780/VVM9
Bericht
über die 33.
Hilfsfahrt nach Rumänien vom 4.5. bis 11.5.02
"Irgendwann wer'ns nimmer z'rückkommen...."
|
... meinte ein Patient anlässlich der bevorstehenden Fahrt. Andere wieder: "Fahr'ns wieder in die Karibik?" oder "San's net schlimm im Urlaub, tan's net übertreib'n!" oder "Wie halten's des aus, den ganzen Tag mit der Arbeit?... also den Urlaub haben sie sich wirklich verdient!".. Die "Urlaubsvorbereitung" sah wie folgt aus: Seit Monaten Telephonate, Faxe, Formulare, Ansuchen, Abholen von Waren und die Bittbriefe an 14 verschiedene (Auto)Firmen um entsprechende Fahrzeuge für diese Fahrt.
"Sie sammeln Hadern?" meinte eine betagte Dame sinnigerweise in der Ordination. "Nicht nur.." wir sammelten auch Medikamente, Süßigkeiten, Kaffee, Spiele, Bettwäsche, Stöcke, Windeln, Einlagen, Harnflaschen, Nachttöpfe, Schultaschen, Wolle, Bestecke, Radioapparate, Taschen, Hüte, Kleider, Büroartikel, Brillen, Lampen, Geschirr, Vorhänge, Nähzubehör, Blutdruckapparate, Tauchsieder, Zigaretten, Reinigungs-, Desinfektionsmittel, Inhal.apparate, Verbandstoffe, Halskrawatten und viele andere Dinge, die bereits als "Schmuggelgut" an der Grenze gelten. Alles musste in Kartons eingepackt, beschriftet, auf Listen gesetzt und färbig gekennzeichnet werden - je nach Empfangsort. Eine 82-jährige Dame, die für mich Wolle, Stoffe und Nähsachen liebevoll besorgt hatte, meinte beim Abholen der Waren: "Sie sind mein Lebenselixier, weil ich ihnen helfen darf....." Bezüglich der Ansuchen um Kastenwagen für die Fahrt regnete es nur Absagen. Verlässlich hat mir Porsche Austria über Herrn Gen.Direktor Hellmaier mit seiner Sekretärin Frau Elsenhuber, sowie in letzter Minute Herr Ing. Twaroch von den Austrodienstleistungen je ein Fahrzeug zur Verfügung gestellt... Die - noch nicht - EU-Grenze zu Ungarn kostete uns wieder 3 Stunden Aufenthalt, wie immer mussten die Stationen: österr. Zoll, Passkontrolle, Ibusz Spedition für die Kaution, der Veterinärarzt und der ungarische Zoll passiert werden. Bei herrlichem Sommerwetter ging es danach stundenlang entlang leuchtend gelber Rapsfelder, durch liebliche Dörfer mit Storchennestern hoch oben auf den Straßenlampen, vorbei an rot glänzenden Mohnblumenfeldern. Nach einer Übernachtung im Grenzgebiet waren wir um 4 Uhr früh an der Grenze zu Rumänien. Eingepfercht zwischen 40 Tonnen-LKWs begann der "Kampf", wer denn möglichst bald den schweren Zollbalken passieren durfte, ein "kleines Dollar-Trinkgeld" ersparte uns ca. 4 Stunden Wartezeit. Auf der rumänischen Seite der Grenze fand sich wieder keine Spedition, die mir die nötigen Zollgrenzformulare ausstellen wollte, bis der Chef intervenierte. 42 Euro für die Papiere und 4,5 Stunden Aufenthalt... 1988 bin
ich das erste Mal mit einem Hilfstransport nach Rumänien gefahren,
damals eine pechschwarze Nacht an der Grenze. Um die Räder vom "Schmutz"
des Westens zu befreien, mussten wir mit dem Auto durch einen kleinen
Teich fahren, gleißendes Scheinwerferlicht, Stimmung wie in einem
Krimi, aber dafür waren wir das einzige Fahrzeug!! Das alles gibt es beim EU-Kandidaten Rumänien heute nicht mehr, die Inflationsrate wird heuer auf 1.9% geschätzt, das Tankstellennetz ist dicht, an den Strassen wird ununterbrochen gebaut, das Land hat 22 Millionen Menschen, Bukarest hat ca. 500.000 herrenlose Hunde, soviel wie Graz und Klagenfurt zusammen Einwohner hat... Nach einer Meinungsumfrage im Mai heurigen Jahres über die finanzielle Lage der Haushalte meinten 51% der Befragten, sie würden soviel verdienen, um die laufenden Ausgaben zu decken, 24 % würden zuwenig verdienen und müssten sich von Monat zu Monat Geld borgen, 10% müssten jedes Monat auf ihre Ersparnisse zurückgreifen und 14% verdienen soviel, dass sie Geld beiseite legen könnten.
Bei Kaiserwetter überquerten wir zunächst die Ausläufer der Westkarpaten, fuhren durch Klausenburg, gelangten nach Bistrita und hinauf ging es über die Ostkarpaten. Rechts und links leuchtend gelbe Löwenzahnfelder, blauviolette Fliederbüsche am Straßenrand, die Köpfe der jungen Storchenkindern guckten neugierig aus ihren Nestern auf unseren Hilfstransport. In Vatra Dornei ging es in den Süden entlang dem lieblichen Fluss Bistrita, hoch oben hatten wir einen herrlichen Blick auf den See Lacul Izvorul Muntelui. ROMAN: endlich
"zu Hause" bei unseren Steyler Missionsschwestern, unser "Zufluchtsort"
bei den Hilfsfahrten seit 12 Jahren, eine warme Dusche, herrliches Essen,
Handyübersetzungen wenn Not am Mann ist, Begleitung zum Zollbüro,
Wechselstube, Anlaufstelle für Kummer aller Art, mit einem Wort für
uns eine "Oase in der Wüste Rumäniens". Mit noch weniger Geld - nämlich 1 Euro - müssen 1,2 Milliarden Menschen pro Tag auskommen, während die 3 reichsten Milliardäre der Welt mit ihrem Gesamtvermögen das gemeinsame Bruttosozialprodukt der 48 ärmsten Länder übertreffen...... HORLESTI: "unser Dorf", ebenfalls von uns betreut seit 10 Jahren, im moldawischen Teil Rumäniens gelegen, 1 Stunde von der Universitätsstadt Jasi entfernt: Viele Lehmhäuser, kein Strom, kein Fließwasser, sehr viele Menschen sind dort Taglöhner, die Kinder müssen bei Petroleumlicht die Aufgaben machen. Für einige Familien hatten wir wieder Stoffe, Wolle und Strickzeug gebracht, sie verdienen sich mit diesen Arbeiten den Lebensunterhalt. Derzeit zahlen wir 4 Mädchen die Ausbildung zur Schneiderei, einem Burschen die Mechanikerlehre. Auf dem Weg
nach TICHILESTI, dem letzten Lepraspital Europas am Beginn des Donaudeltas
gelegen, hatten wir leider eine Autopanne, die uns 5 Stunden Zeit kostete.
Nachher musste ich ein bisschen Gas geben, um nicht zu spät zu diesen
Kranken zu kommen. In Galati mussten wir mit der Autofähre über
die Donau, weil es keine Brücken gibt..
Abseits von jeder Zivilisation hatte Ceausescu schon vor 70 Jahren diese Kranken in den letzten Winkel Europas verbannt. Ein junger Mann durfte wegen seiner Krankheit die Schule nicht mehr besuchen und kam mit 16 Jahren in dieses Spital, hatte dort seine damals 13 jährige Frau kennen gelernt, sie bekamen gesunde Kinder, die das Lepraspital verließen, die Frau starb und der Mann lebt seit 64 Jahren in dieser Einöde.. Auf 10 m2 wohnt ein Ehepaar, beide an Lepra erkrankt, er ist blind und hat keine Vorderfüße, sie hat eine Gesichtsentstellung und ist bettlägerig, er tastet glücklich das mitgebrachte Zigarettenpäckchen, sie packt zufrieden die eben bekommenen Biskotten aus....Ein alter Mann klemmt lächelnd die Schachteln mit den Süßigkeiten in seine Holzkrücken und stapft davon... abseits in einem großen Haus in einem ebenerdigen, muffigen, kalten Zimmer liegt eine Patientin mit Kopftuch, verhärmt, eine Metallprothese am Bein, ein abgeschlagenes Nachtkästchen neben sich, in der Ecke ein Ungetüm von einem Eisenofen, keine Farbe mehr an den Wänden........ Unter dem
Diktator Ceausescu gab es hier in Tichilesti 180 Leprakranke, Jahr für
Jahr sterben Patienten, bei unserem Besuch im Mai 2002 gab es nur mehr
23 Patienten. Ein Leprakranker erhält als Sozialunterstützung
vom Staat täglich 95.680 Lei, das sind € 3,20 bei freier "Wohnung"
und Verpflegung. In Relation dazu: Wir mussten jeden 3. Tag tanken und
gaben dabei das 23-fache aus, nämlich 940.000 Lei, das sind €
75,92... Man kann
natürlich mit der Deilmann Reederei mit dem 5-Sterne Schiff "Mozart"
von Passau nach Constanta am Schwarzen Meer in 10 Tagen eine Luxusreise
um € 1.990,- unternehmen, man kann aber auch mit unserem Hilfstransport
einen Abstecher vom Beginn des Donaudeltas über einsame Strassen,
vorbei an goldgelben Rapsfeldern, durch hügelige Landschaft, etliche
kleine Eselswägelchen überholend nach Navodari - 16km von Constanta
entfernt - dem ersten Ort am offenen Meer fahren. Ein herrlicher Sandstrand
mit Millionen von Muscheln, ein klares, warmes Meerwasser, keine Menschen,
zwei Stunden Erholung von dieser strapaziösen Fahrt..... Auf der Rückfahrt wurden wir wieder wie in Diktators Zeiten auf der Landstrasse von Polizei und Militär aufgehalten. "Woher kommen sie? Was machen sie in Rumänien?....... das ist nicht gut, was sie da machen!!!...."
Mit der Fähre
zurück nach Galati ging es dann entlang der moldawischen Grenze nach
"RADUCANENI", unserem letzten Betreuungsort auf dieser Fahrt. Ich sage
wieder einmal "Danke" meinen Mitfahrern und -helfern Malte,
Wolfgang und Hannes, sehr herzlichen Dank Herrn Gen. Direktor Mag. Hellmaier
von Porsche Salzburg und Herrn Ing. Twaroch von den Austrodienstleistungen
für die zur Verfügung gestellten Kastenfahrzeuge. "Postarbeit"
mit Sammeln, Schlichten, Sortieren, Beschriften ... hat einmal mehr Franz
Rath geleistet. Einen besonderen Dank dafür. Markus, Maria,
Lydia, Bernhard, Herbert und Robert haben eine Fotoausstellung über
unsere Fahrten nach Rumänien gemacht und dabei € 1.200 eingenommen,
in dem aufgelegten Gästebuch war zu lesen. "Uns fehlen die Worte....",
"Gratuliere der Jugend mit dieser Idee...", der 12 jährige
Florian hat nach Besichtigung der Fotos mit den armen Menschen in das
Buch geschrieben: "Jetzt weiß ich, wie gut es mir geht..."
Fr. Mag. Glatz und Herr Trötzmüller von der Fa. Mercedes Wiesenthal haben mir liebenswürdigerweise den Erlös vom Punschstand vom Dezember 2001 über € 3.216 für das Kinderspital von Chisinau übergeben. € 7.270 wurde von den Spendengeldern für die Errichtung eines Sozialzentrums und eines Sonderkindergartens für geistig behinderte Kinder in Stauceni, Rep.Moldova ausgegeben. € 300 wurden als Studiumsbeitrag für einen Studenten in Roman gezahlt und € 2.500 für die weiteren Schneiderei- und Mechanikerausbildungen in Horlesti. "Unisys Mitarbeiter bringen Licht" haben unter Initiative von Fr. Rippar € 940 gesammelt und damit 5 sehr armen Familien mit Kindern aus Horlesti eine Stromeinleitung in ihre bescheidenen Häuser finanziert. Auch heuer wieder nimmt mir Familie Fegerl aus Ottakring sehr viel Arbeit ab, indem sie die Fotos in diesen Brief scannt, diesen formatiert, druckt, kopiert, kuvertiert, adressiert und versendet, sehr herzlichen Dank dafür. DANKE allen
lieben Menschen, die uns in irgendeiner Weise unterstützt oder geholfen
haben: Die Kontonummer unseres Hilfsvereines "AUSTRIA PRO MOLDAVIA" bei der EÖSC ist: BLZ: 20 111, Nr. 051 46720 Sie können Ihre Spende mit einem Vermerk auf dem Zahlschein auch ganz speziellen Projekten widmen, wie z.B.:
|