Erwin Kräutler
Bischof der Prälatur am Xingu im Amazonasgebiet

 

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Morddrohungen gegen Bischof Erwin Kräutler

Landreform (reforma agrária) oder Krieg um Land im Bundesstaat Pará im Norden Brasiliens

Was allgemein unter dem Begriff "Abholzung des amazonischen Regenwaldes" bekannt ist, ist in Wirklichkeit viel mehr. Dahinter verbirgt sich ein tiefgreifender sozialer und ökonomischer Konflikt. Auf der einen Seite stehen einfache Menschen, die nur ihr kleines Stück Land besitzen und bebauen wollen, die oft nicht mal lesen und schreiben können, die nach einem würdigen Leben für sich und ihre Familie suchen. Auf der anderen Seite stehen Konzerne, Händler und Großgrundbesitzer, die eine Vision von den Möglichkeiten dieser unendlichen Weiten haben und wissen, daß dieses Land viel zu bieten hat ... Weideland für Viehherden und damit Fleischproduktion und dann auch natürliche Reichtümer von Wasser und Holz über Öl bis hin zu Edelmetallen und fast allen bekannten metallischen Rohstoffen.

Es ist der Konflikt zwischen Reichtum und Wissen auf der einen Seite und Einfachheit und schlichtem Lebens- oder Überlebenswillen auf der anderen. Konkret geht es um Indianerreservate, die wegen Rohstoffvorkommnissen nicht respektiert werden, um Gebiete die für Kleinbauern und den Versuch einer umweltgemäßen Landwirtschaft markiert wurden und um ein Wasserkraftwerk am Xingu, das in den bisher geplanten Formen einen massiven Eingriff in den Naturhaushalt darstellen würde.

"Dann geh doch wo anders hin!" - Die Weite des Landes verführt zu dieser Haltung. Das Land ist so riesig und fast alle Einwohner sind im Zuge des Projektes "Transamazônica" zugewandert. Es gibt also keine echte Bindung an Ort und Boden. "Geh wo anders hin, weil ich jetzt hier ein Interesse habe!" Die Dimensionen des Landes verführen geradezu dazu, Heimatrecht zu missachten. Was macht es schon aus, hier oder 100 Km weiter zu wohnen? Seit Jahrzehnten eskaliert der Konflikt zwischen Kleinen und Großen. Mehr als 300 Menschen sind dabei gewaltsam ums Leben gekommen.

Eines der letzten Opfer war die amerikanische Ordensschwester Dorothy Stang von der Gemeinschaft Unserer Lieben Frau von Notre Dame. Sie wurde im Februar des letzten Jahres brutal hingerichtet, weil sie das Existenzrecht von Kleinbauern verteidigt und korrupte Machenschaften angeklagt hat. Mitten in diesem Konflikt steht Erwin Kräutler [Wikipedia], der seit 1981 Bischof der Xingu-Prälatur mit Sitz in Altamira ist.

Er hat sich immer auf die Seite der Kleinen gestellt und gegen Fortschritt um jeden Preis gekämpft. In den 80er-Jahren wäre er beinahe schon einmal Opfer eines Attentats geworden, heute steht er erneut im Blickpunkt, weil er soziale Konfliktpunkte benennt:

  • das unverhältnismäßig große Wasserkraftwerk, das Natur und Bevölkerung mehr Schaden als Nutzen bringen wird, vielmehr ein rein wirtschaftliches Interesse ist;
  • die Bedrohung und Vertreibung vieler Kleinbauern durch Großgrundbesitzer;
  • die soziale Ungleichheit, die Ausbeutung zur Folge hat (Prostitution von Minderjährigen, Sklavenarbeit uvm.).

Heute ist der Bischof Objekt gezielter und ernst gemeinter Drohungen. "Es ist besser, wenn der Bischof nicht mehr da ist!", so hieß es in einer öffentlichen Kundgebung.

Heute ist Solidarität mit dem Bischof und mit den "Kleinen" in der Bevölkerung entlang der Transamazônica wichtig. "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß!" ... Es ist eine Form von Schuld, sich nicht um Information zu bemühen und damit nicht für Solidarität zu entscheiden.

Wir brauchen Solidarität mit Bischof Erwin und mit unzähligen Familien von Kleinbauern an der Transamazônica!!!!

Pater Michael Rohde, Belém

Im Oktober 2006 wurde in Altamira ein anonymer Drohbrief gegen Bischof Erwin Kräutler verbreitet. Dieser und zwei Stellungnahmen stehen hier zum Download als pdf-Dateien bereit.

Anonymer Drohbrief (pdf, 63 KB)

Stellungnahme der Kommission der Pastoral der Erde, Prälatur am Xingu (pdf, 98 KB)

Stellungnahme der Organisationen und Bewegungen, die am Treffen für die Kampagne der Geschwisterlichkeit 2006 beteiligt waren (u.a. Brasilianische Bischofskonferenz) (pdf, 96 KB)